Warum loslassen, wenn du auch festhalten kannst?

Du darfst loslassen – aber du musst nicht.

Vielleicht machen wir es uns oft zu einfach. „Lass doch einfach los!“ – diesen Satz hören wir ständig. Aber ist das wirklich das, was wir wollen?
Oder tun wir es nur, weil es uns geraten wird?

Vielleicht, weil die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Vielleicht, weil da noch Worte unausgesprochen sind.
Oder weil das Alte – ein Möbelstück, eine Beziehung, eine Erinnerung – uns noch Wärme und Halt schenkt. Das Möbelstück sieht zwar alt aus, aber ich liebe es, weil es sich so kuschelig anfühlt.

Manchmal ist das Festhalten wichtig.

Und ja, manchmal nervt der andere so sehr, dass man am liebsten gleich loslassen würde.
Doch morgen könnte ich es bereuen. Denn wenn ich wirklich loslasse, dann ist es weg – er ist weg, sie ist weg. Dann habe ich echt losgelassen.

Aber ist es das, was ich wirklich brauche?
Oder kaufe ich mir dann einfach ein neues Sofa, das dem alten erstaunlich ähnlichsieht – und bald wieder schmuddelig und alt wirkt?
Und wenn ich eine Beziehung losgelassen und einen Freiheits- und Freudentanz aufgeführt habe – stürze ich mich dann gleich wieder in die nächste Beziehung, die der alten extrem gleicht?

Wir dürfen festhalten, bewahren, achten und lieben.
Wenn wir achtsam und sorgsam mit einem Gegenstand oder einer Beziehung umgehen, dann gehört es zu uns.
Wir brauchen es, es tut uns gut – und wir lieben es (auch wenn es uns manchmal nervt).

Loslassen ist eine Meisterschaft.
Wir können nur loslassen, was
– nicht mehr zu uns gehört
– wir nicht mehr brauchen
– uns nicht mehr guttut
– wir nicht mehr lieben

Und was uns so fremd vorkommt, so wenig mit uns zu tun hat – das löst sich von selbst.
Wenn eine Beziehung so neutral und fremd geworden ist, müssen wir keine Energie mehr ins Loslassen stecken.
Sie hat sich längst aufgelöst und uns losgelassen – wir haben es vielleicht nur noch nicht bemerkt.

Dann dürfen wir uns einfach bedanken und uns verabschieden.



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