Wir Erwachsenen gehen ja gerne davon aus, dass
Kinder von uns lernen sollen: Schuhe binden, bitte-danke sagen, wie man beim
Zähneputzen nicht das halbe Bad unter Wasser setzt. Doch manchmal ist es genau
umgekehrt: Wenn wir von den Kindern lernen, kommen wir oft viel weiter, als
wenn sie brav alles von uns übernehmen.
Denn Kinder sind echte Profis in Sachen Leben.
Sie sind emotional ehrlich („Mama, du siehst heute komisch aus.“), sie sind
neugierig („Warum ist der Himmel blau?“ – fünfmal hintereinander) und sie sind
gnadenlos authentisch. Sie spielen keine Rollen – außer vielleicht Pirat,
Astronaut oder Einhorn.
Wir Erwachsenen hingegen? Wir sind
Spezialisten im Begrenzen, Regulieren und Schubladendenken. „So macht man das
eben.“ Und wundern uns dann, wenn Kinder partout nicht hineinpassen wollen.
Doch genau in dem Moment, wenn sich ein Kind
querstellt, steckt die Einladung: Stopp. Einatmen. Bis zehn zählen. Vielleicht
spürt das Kind einfach klarer, was ihm guttut – oder sogar, was uns guttun
würde (auch wenn wir das gerade nicht hören wollen).
Kinder erinnern uns mit ihrer Ehrlichkeit und
Kreativität daran, echt zu bleiben.
In diesem Spiegel liegt unsere größte Freiheit: neu zu denken, Grenzen zu
öffnen und mutig Neues zu beginnen.
Am Ende sind Kinder nicht nur unsere Schüler. Sie sind die kleinen, ungeschminkten, oft urkomischen Lehrer, die uns täglich daran erinnern:
Das Leben ist zum Entdecken da – nicht zum Abarbeiten von To-do-Listen,
nicht zum starren Folgen alter Gewohnheiten und nicht zum Steckenbleiben im
Alltag.

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